|
Biebrza Sümpfe
Ein
lebender Fluss
Seit Jahrhunderten liegen die weiten und unzugänglichen Biebrza
Sümpfe am Rande der polnischen, litauischen und russischen Kulturgebiete.
Erst vor 500 Jahren hat der Mensch dort begonnen, im großen Stil
die Natur zu verändern. Riesige Sumpfwälder wurden durch Flecken
von Torfwiesen ersetzt, die zur Heugewinnung genutzt werden. Trotz
dieser Veränderungen haben die Biebrza Sümpfe viel von ihrer
Ursprünglichkeit behalten, da sie nie, im Gegensatz
zu den meisten Sumpfgebieten Europas, entwässert wurden. Die Biebrza
Region ist dadurch heute das größte und besterhaltene Feuchtgebiet
seiner Art in Europa. Was es so einzigartig macht, ist das Vorhandensein
eines "lebenden Flusses", der frei schlängelnden und über
ihre Ufer tretenden Biebrza, die im Frühling große Wiesenflächen
in Seen verwandelt. Überschwemmungen fürchtet dort niemand, sondern
sie werden als willkommenes Naturereignis betrachtet.
Kronjuwel des europäischen Naturerbes
Aufgrund ihrer Ursprünglichkeit, ihres Reichtums an Wild und ihrer
landschaftlichen Schönheit wurden die Biebrza Sümpfe 1993 in den
Rang eines Nationalpark erhoben, dem höchsten Rang des. Naturschutzes
in Polen. Inzwischen stehen sie auch auf der Ramsar- Konventionsliste
der wichtigsten geschützten Feuchtgebiete der Erde.
Gedichte des 19. Jahrhunderts reflektiert im Vogelgesang
Jeder
Naturliebhaber kann dort etwas nach seinem Geschmack finden. Wer
ist nicht überrascht beim Anblick von Teppichen goldener Sumpfdotterblumen
auf überfluteten Wiesen, von blühenden Orchideen, einem dahingleitenden
Schwarzstorch, einem Duell zweier Kampfläufer, einem Biberbau
oder einem friedlich äsenden Elch. Wer hört nicht andachtsvoll
auf die flötenähnliche Stimme eines Grossen Brachvogels, die Nachtschreie
der Grossen Rohrdommel oder das Heulen eines Wolfes. Man kann aber
auch Schätze finden, die nicht sofort ins Auge fallen. Als Zeugen
der letzten Eiszeit vor mehr als zehntausend Jahren kann man dort
noch Strauchbirken entdecken. Sie
sind Überreste einer Zeit, als Mitteleuropa von arktischer Tundra
bedeckt war. Ihren Ruhm verdankt die Biebrza jedoch den seltenen
Vogelarten, die hier noch. leben. Seit vielen Jahren sind die Biebrza
Sümpfe unter westlichen Vogelbeobachtern für ihren besonderen Artenbestand
bekannt. Nur hier kann man noch eine große Anzahl brütender Weißflügel
Seeschwalben finden, Doppelschnepfen und Schelladler. Eine der größten
Attraktionen ist zweifellos der Segenrohrsänger. Dieser kleine stumpfgefiederte
Vogel ist vom Aussterben bedroht. Der Biebrza Nationalpark stellt
seinen wichtigsten Zufluchtsort dar, wo er diesem Schicksal entgehen
kann. Es leben dort noch andere Vogelarten, die in Westeuropa entweder
ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind. Man kann noch genau
denselben Vogelkonzerten lauschen, die Adam Mickiewicz,
der polnische Johann Wolfgang von Goethe, schon vor einhundertfünfzig
Jahren beschrieben hat. 
Ein interessantes Schauspiel zu allen Jahreszeiten
Die Biebrza Sümpfe sind nicht nur im Frühling und
Sommer, wenn die Natur sich explosionsartig entfaltet, bezaubernd.
Der Herbst erzeugt eine majestätische Stille in dieser melancholischen
Landschaft von rostgefärbtem Riedgras und kleinen,
goldenen, birkenbestandenen Inseln. Die Herbstnächte hallen vom
Röhren des Rotwildes und der Elche wider, das die Saison der Liebe
und des Kampfes ankündigt. Im Winter regen die Spuren im Schnee,
die durchziehende Wölfe, Otter, Hermeline, Wildschweine, Elche und
viele andere vierbeinige und geflügelte Bewohner der Sumpfgebiete
hinterlassen haben, zu mancher dramatischen Geschichte an.
Regenbogeneier und glückliche Kühe
Die Biebrza Sümpfe sind die Heimstatt reicher Kulturen, Gebräuche
und Traditionen. Sie sind berühmt für ihre komplex gemusterten,
handgewebten Wolldecken. Eine andere lebendig gebliebene Volkstradition
ist das Eiermalen mit Hilfe von Wachs und Naturfarben. Diese wundervoll
gemusterten Eier spielen heute noch eine große Rolle bei den Osterfestlichkeiten.
Die
die Feuchtgebiete umgebende Landschaft hat viel von einer Ursprünglichkeit
bewahrt, die in anderen Teilen Polens verlorengegangen ist. Das
gilt auch für die Lebensgewohnheiten ihrer Bewohner. Noch heute
stehen an vielen Landstrassen Kreuze und kleine Kapellen, und jedes
Biebrza Dorf hat eine bestimmte Anzahl an Weißstorchnestern. In
der behaglichen Stille dieser Region genießen auch Kühe noch ein
langes und friedliches Leben. Im Gegensatz zu den meisten Angehörigen
ihrer Art in Europa stehen ihnen werte offene Weideflächen zur Verfügung.
Sie können jederzeit den Fluss durchschwimmen, um diese zu erreichen
und selbst entscheiden, wann sie in den Stall zurückkehren wollen.
Eine uneinnehmbare Festung
Die weiten, unzugänglichen Feuchtgebiete boten immer einen
natürlichen Schutz gegen angreifende feindliche Armeen. Ihre militärstrategische
Bedeutung für das Gebiet wurde gestärkt durch den Bau der mächtigen
Festung Osowiec und einer Reihe kleinerer Burgen,
die auf Befehl des russischen Zaren im 19. Jahrhundert errichtet
worden. Die Festung Osowiec hat sich als uneinnehmbar erwiesen,
obwohl sie in beiden Weltkriegen häufig belagert worden war. Sie
ist heute nicht nur Anziehungspunkt für Touristen und Geschichtsinteressierte.
In ihren dunklen Kasematten finden jährlich hunderter von Fledermäusen
ein sicheres Winterquartier. 
Skandinavische Findlinge im Herzen Europas
Überwiegend flach aber voll einzigartiger Schönheit erinnert
die Biebrza Region an die eiszeitliche Ära, der sie Entstehung
und Gestaltung verdankt. Zurückweichende Eismassen haben nicht nur
die Flußebene
und die umliegenden Hügel geformt, sondern auch mitgeführte Gesteine
aus Skandinavien hier abgesetzt, Viele dieser Gesteine wurden beim
Bau der malerischen Biebrzaer Ställe und Schuppen verwendet. Ein
besonders beeindruckender Findling markiert das geografische
Zentrum Europas, das sich mitten im Stadtzentrum von
Suchowola, der Hauptstadt einer Gemeinde von Biebrza, befindet.
Die gastfreundlichen Sumpfgebiete laden sie ein!
Die
Biebrza Feuchtgebiete, einst wild und unzugänglich, laden Sie herzlich
ein, ganz in Ruhe ihren Charme zu genießen. Im Bedarfsfalle stehen
auch örtliche Führer zur Verfügung. Steigen Sie auf
einen Beobachtungsturm und bewundern Sie die Landschaft von
oben, oder erforschen Sie unser ausgedehntes Netz von Wanderpfaden,
das sich über 400 km erstreckt und unterschiedlichste Schwierigkeitsgrade
für Wanderer aufweist. Das klare Wasser der Biebrza lädt zum Angeln
und zu Kajaktouren ein, während die angrenzenden Wälder Sie zum
Pilze- und Beerensammeln erwarten. Ganz in der Nähe lohnt sich ein
Besuch der Osowiec Festung, die noch als Militärstützpunkt dient,
aber auch Besichtigungen anbietet. Egal, ob Sie Ihren Urlaub auf
dem Bauernhof, in einer Pension oder im Hotel verbringen, genießen
Sie die schmackhafte und abwechslungsreiche Küche
der Region.
Die Biebrza Sümpfe erwarten Sie!
Alle Informationen über Biebrza Sümpfe mit freundlicher
Unterstützung des Biebrza Nationalparks.
Tel: +48 86 2720620 Email: biebrza@biebrza.org.pl
(Korrespondenzsprache Englisch)
|