Hoffmann
war einer der vielseitigsten deutschen Romantiker. Nicht zu Unrecht
bezeichnete ihn deshalb Franz Fühmann als "Universalgenie",
denn H. war Komponist, Zeichner, Karikaturist, Psychologe, Essayist,
Kritiker und Dichter - dazu auch noch ein scharfsinniger, tapferer
Jurist, ein Kapellmeister, Bühnendirektor, Kulissenmaler, Gesangspädagoge,
Konzertpianist, und sogar ein Kommissionshändler.
1776:
24 Januar, Ernst Theodor Wilhelm wird in
Königsberg
geboren (
1809 erst nahm er zu Ehren
Mozarts den Namen
Amadeus an). Jura - Studium und unglückliche Liebe zu
Dora
Hatt. Versetzung nach
Glogau und
Posen.
1800: Lösung seiner Verlobung mit
Minna Doerffer und
Heirat mit
Michalina Trzcinska ("Micha"), Tochter des polnischen
Stadtschreibers von Posen, sein "sehr liebes liebes Weib" (an
Hippel,
25. 01. 1803). H. karikiert die Spitze der Posener Gesellschaft
-Strafversetzung nach Plock.
1802: "Exil" in
Plock. Arbeit am Gericht. Kirchen
und Klaviermusik, Rezensionen, der Aufsalz
"Schreiben eines Klostergeistlichen"
u.a.
1804: Regierungsrat in Warschau. Teilnahme am musikalischen
Leben.
1806: Hungerjahre in
Berlin
1808: Musikdirektor am Theater in
Bamberg. Wechselnde
Aufenthalte in
Leipzig und
Dresden. jähre künstlerischer
Reife.
1815:'Rückkehr zur "Staatskrippe". Kammergerichtsrat in
Berlin.
Uraufführung der
Oper "Undine". Romane, Erzählungen,
Märchen, Essays und Kritiken.
1822:
25. Juni, nach langer Krankheit Tod des "unkonventionellsten
Beamten, der jemals gelebt hat" (Schoeps, H.J.) in
Berlin.
EINIGE TITEL AUS DEM SCHRIFTSTELLERISCHEN WERK Romane:
Die Elixiere des Teufels Lebensansichten des Katers Murr
Erzählungen: Der Sandmann Das Bergwerk zu Falun Meister Martin
der Küfner-und seine Gesellen
Märchen: Der goldene Topf Nußknacker und Mäusekönig , Klein
Zaches genannt Zinnober
Sammlungen: Phantasiestücke in Callots Manier Die Serapionsbrüder
Oper: Undine
Kompositionen: Miserere B-moll Sinfonie Es-dur Kiaviersonaten
und Canzonetti
HOFFMANN IN PLOCK (1802-1804)
Hoffmann, der am 21. Februar nach Plock strafversetzt
worden war, wohnte mit "Micha" im "Hotel de Berlin"
am Alten Markt. Plock begeisterte ihn nicht. Er, der wie kaum
ein anderer den täglichen Umgang mit Kunst und Kultur brauchte,
fühlte sich hier "lebendig begraben" (an . Hippel, 25.
01. 1803).
Neben der ordentlichen Berufsarbeit widmete er viel Zeit der Kunst
- seiner wahren Berufung. Nebenbei zeichnete, komponierte und
dichtete er, "freylich alles nur schlecht" (an Hippel,
03. 10, 1803). H. konzertierte oft in der Kirche des Norbertiner
Nonnenklosters, abends spielte er Klavier in seiner Wohnung.
Er malte Portraits, zeichnete Karikaturen des "Plocker Publikums"
(einige haben sich auf einem Paravent erhalten, der heute
im Masowischen Museum verwahrt wird). In Plock spricht
H. erstmals von "Todes Ahndungen -Doppeltgänger" (TGB, 06. 01.
1804). Die erzwungene Spaltung seiner Existenz in den Beamten
einerseits und den Künstler andererseits zerstörte zunehmend die.
Persönlichkeit dieses kreativen Menschen. H. wurde zu einem Kneipengänger
und Wein zum hauptsächlichen. Mittel seiner Inspiration. Als Künstler
nur in den Nachtstunden tätig, wandte er sich literarisch den
"Nachtseiten" des Lebens, dem "Unheimlichen" und "Sonderbaren"
zu. "Wann werden meine Leiden sich wenden! -- sagte Frederic le
grand auf dem Schiachtfelde; ich, H.(offmann) le petit sag' es
wenn ich mich erhebe aus den staubigten Akten!" (TGB, 06. 10.
1803) Dieser Wunsch erfüllte sich nie ganz: die wenigen jähre
als freier Künstler (1806 bis 1815) waren geprägt
durch Not, Mißerfolge und Selbstzweifel. Die vielleicht glücklichste
Zeit seines Lebens erlebte H. vom Frühjahr 1804 bis 1806
in Warschau. An der Seite von Wojciech Bogulawski wirkte
er hier aktiv mit an der Gestaltung des musikalischen Lebens.
Auf seine Initiative hin wurde die "Musikalische Gesellschaft"
gegründet. Jozef Eisner, der Lehrer Chopins, nahm
Kompositionen H.s auf im "Wybor pieknych dziel muzycznych i piesni
polskich" (Kosim, J.)
DAS "BERLINER HOTEL" - EHEMALIGES WOHNHAUS HOFFMANNS AM ALTEN
MARKT 8
Hoffmann wohnte knapp zwei Jahre in diesem Hotel.
Daß er sich keine Wohnung nahm, weist schon darauf hin, wie wenig
er sich auf einen längeren Aufenthalt in Plock einrichtete. Neben
der Kirchenmusik war seine einzige Freude der Besuch in der "Neuen
Ressource", wo er oft etwas zuviel "Bischof" trank - eine Art
gewürzten Weines. Nicht zu Unrecht darf man annehmen, daß das
"Doppelgängermotiv" seiner späteren Dichtungen in H.s Doppelexistenz
als Tagmensch (Beamter) und Nachtmensch (Künstler) begründet liegt.
Die Folgen des häufigen Rausches kennzeichnete er selbst in seinen
Tagebucheintragungen der Plocker Zeit so:
Die Folgen dieses Rausches und das Verhältnis seiner polnischen
Frau "Micha" dazu, beschreibt J.E. Hitzig (Hoffmanns erster Biograph):
Freunde berichteten, daß Hoffmann oft Illusionen hatte und
seine literarischen Gestalten wirklich sah. So kam es vor, daß
er nachts, wenn ihn seine Fantasiegestalten ängstigten, seine
schon schlafende Frau weckte, die, ihn kennend und liebend, willig
das Bett verließ, sich ankleidete, sich mit dem Strickstrumpf
an seinen Schreibtisch setzte, und ihm Gesellschaft leistete,
bis er fertig war."
"Nur der Dichter versteht den Dichter, nur ein romantisches Gemüt
kann eingehen in das Romantische, nur der poetisch exaltierte Geist,
der mitten im Tempel die Weihe empfing, kann das verstehen, was
der Geweihte in der Begeisterung ausspricht."
Das
Darmstadt Haus ist als Zentrum für Bildung und Kultur
gedacht. Es kann auch für wissenschaftliche Kontakte genutzt werden.
In der Bibliothek mit ihrem- kleinen Lesesaal befinden sich Zeitschriften
und Bücher in deutscher Sprache. Der größte Raum im Darmstadt Haus
ist der Konzertsaal mit einem Flügel. Hier treten regelmäßig verschiedene
Künstler - nicht nur .aus Darmstadt - auf. Ein besonderes Anliegen
besteht darin, in zahlreichen Ausstellungen, Konzerten usw. die
deutsche Kultur in Plock zu popularisieren. Im Sprachlabor können
ältere wie jüngere Einwohner die Sprache Hoffmanns verstehen und
sprechen lernen. Im Obergeschoß stehen drei Doppelzimmer mit Küche
und Bad sowie ein Aufenthaltsraum als Gästeabteilung zur Verfügung.
Für das leibliche Wohl aller Besucher und Gäste sorgt das Restaurant
- Cafe "Literacka", das sich im Erdgeschoß befindet.
Plock - ist eine Stadt mit 130.000 Einwohnern im Zentrum
Polens an der Weichsel. Das maieriche, in den Hügeln gelegene Plock
ist wegen seiner Denkmäler, unter denen eine wahre Perle die Katedrale
ist, wegen der in Polen reichsten Sammlung von Jugedstilkunst im
Masowischen Museum, sowie auch wegen der starken, modernen Industrie
(Polski Koncern Naftowy S.A., Levi Strauss Poland, New Holland Bizon)
sehr bekannt.
Alle Informationen mit freundlicher Unterstützung des Amtes für
Promotion und Information der Stadt bei der Stadtverwaltung Plock
erstellt von: Gracja Krzesinska