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Krakow (Krakau)
Es
wird zuweilen Florenz des Nordens oder auch polnisches
Rom genannt, doch es bleibt stets Krakau, trotz vieler Ähnlichkeiten,
die die verschiedensten Vergleiche aufkommen lassen. Krakau ist eine
einzigartige Erinnerung an Vergangenes, ein nationales Mysterium,
das vom polnischen Volke seit mehreren Jahrhunderten zelebriert wird.
Krakau mit seinen ca. 750taus. Einwohnern gehört zu den größten
städtichen Zentren in Polen. Aber nicht
die Größe dieser Stadt und auch nicht ihre wirtschaftliche Bedeutung
bestimmen die Berühmheit dieser Stadt, die nicht erst jetzt entdeckt
wurde, weder für das Land noch für Europa.
Seit
der Zeit, als Ibrahim Ibn Jakob - ein Gesandter des Kalifen von Cordoba
- im Jahre 965 eine Notiz über Krakau verfaßte, bis zu dem
Moment, an dem 1978 die Stadt von der UNESCO in das
kulturelle Welterbe aufgenommen wurde, sind zehn Jahrhunderte
vergangen. All das, was in jener Zeit geschehen ist, gehört zur Geschichte
Krakaus. Hier hat sich in den vergangenen Jahrhunderten so vieles
angehäuft, daß es einem regelrecht den Atem verschlägt. In den unterirdischen
Gewölben der Krakauer Kirchen stößt man auf romanische Mauern,
in den Patrizierhäusern auf gotische Portale und Balkendecken
aus der Zeit der Renaissance, und wenn man den Blick nach oben
hebt, erscheinen die barocken Helme der Kirchtürme. Wohin wir auch
blicken, läßt sich der Einfluß der europäischen Kultur erkennen, deren
Ausstrahlungskraft in der einstigen Hauptstadt Polens auf fruchtbaren
Boden fiel.
"Du findest hier reiche Häuser italienischer, flämischer, französischer,
persischer, türkischer und englischer Kaufherren... Angebracht
ist deswegen das Sprichwort, daß wenn es Rom nicht gäbe, Krakau Rom
sein würde." Diese Worte verzeichnete 15 96 ein Mitglied der hier
weilenden päpstlichen Gesandtschaft.
Die Stadt an der Weichsel, das Jahrhunderte alte Zentrum des polnischen
Staatswesens ist vor allem durch seine tausendjährige nationale Kultur,
durch die tausende von häufig einmaligen Denkmalsbauten, die von Kriegswirren
verschont blieben, sowie als aufstrebendes, modernes wissenschaftliches
Zentrum mit ca.
600-jähriger Tradition bekannt.
Im frühen Mittelalter war Krakau das Zentrum des Stammes der Weichsel-Anwohner
(aus dieser Zeit stammen, vermutlich aus dem 7.Jh,. zwei Grabhügel:
der Wanda- und der Krakus-Hügel). Mieszko
I bezog Krakau mit dem Land der Weichselanwohner in den polnischen
Staat ein. Im Jahre 1000 wurde hier ein Bischofssitz eingerichtet
und mit dem Bau der ersten Kathedrale begonnen. Etwa 1038 machte Kazimierz
Odnowiciel Krakau zur Landeshauptstadt.
Zu dieser Zeit entstanden auf dem Wawel gemauerte Gebäude, zu seinem
Fuß, von Norden, entwickelte sich schnell eine Siedlung. Im Jahre
1138 bestimmte Boleslaw Krzywousty Krakau zum Sitz des Senior-Fürsten.
Nach den Tartaren-Einfällen (1242) erkannte Fürst Boleslaw
Wstydliwy Krakau im Jahre 1257 das Stadtrecht zu und befahl
die Aufstellung eines Stadtplans, der bis heute erhalten blieb: eine
reguläre, schachbrettartige Straßenanordnung mit dem zentral gelegenen,
quadratischen Markt (200 x 200). Bestimmte Unregelmäßigkeiten in diesem
System resultierten aus der Anpassung an die frühere Bausubstanz,
die u.a. durch die St. Adalbert-Kirche (aus dem 1O.Jh) und
die Marien-Kirche, zuerst romanisch, dann im 14. Jh. zur gotischen
Basilika umgebaut, präsent sind.
Kurz nach der Lokation wurde auf dem Markt der Sitz der Stadtverwaltung
gebaut - das Rathaus (wovon bis heute nur der im 14. Jh. beendete
Turm übriglieb). Von den damaligen Handelsfunktionen dieses Marktes
zeugen heute die gotisch-renaissancen Tuchhallen, die im 13. Jh. mit
zwei Reihen von Tuchhändlerständen ihren Anfang nahmen. Der Markt
war der Ort, auf dem sich höfische und städtische Feierlichkeiten
abspielten, ein Ort der Ehrbezeugung, aber auch ein Ort der Exekutionen.
Vom 13. bis 15.Jh. dauerte der Bau der Verteidigungsmauern, die die
ganze Stadt umgaben und sie mit dem Wawel verbanden. Von den
47 Basteien, die einstmals dazugehörten,
sind heute nur noch 4 erhalten. Besonders bekannt ist die Kürschner-Bastei
mit dem Florians-Tor, die vom Anfang des 14. Jh. stammt. Das charakteristische
Element dieser Befestigungsanlagen ist die Barbakane
(im 15. Jh. gebaut).
Während der Regierungszeit des Königs Kazimierz Wielki
wurde die Stadt im gotischen Stil umgebaut, einschließlich der Bauten
auf dem Wawel. Und damals wurde auch, 1335, im Süden des Wawels, die
Stadt Kazimierz angelegt. Der König befahl, sie mit Wehrmauern zu
umgeben und die Kirchen der hl. Katharina und des Fronleichnam zu
bauen. Am
Ort eines früheren Heiligtums ließ er dagegen die Kirche "Na Skalce"
errichten, die Ort der Pilgerzüge der Könige vor ihrer Krönung wurde.
Kazimierz wurde, Ende des 15. Jhs., von den Krakauer Juden besiedelt,
hier entstand also ein völlig anderes, reiches Kultur- und Bauzentrum,
das bis heute erhalten blieb. Im Jahre 1364 gründete König Kazimierz
Wielki die Krakauer Akademie, und gab damit der ältesten polnischen
Universität - der Jagellonen-Universität - den Anfang (aus den
ältesten erhaltenen Gebäuden das Collegium Maius, das
aus dem Fond der Königin Jadwiga gebaut wurde). 1366
erhielt die vor Krakau liegende Siedlung Kleparz die Stadtrechte.
Die Regierungszeit des Letzten der Jagellonen war der Zeitraum des
Aufblühens von Krakau. Auf dem Wawel wurde damals das Schloß umgebaut,
im Renaissance-Stil, es wurde die bekannte Zygmunt-Kapelle gebaut,
in die Kemenaten kamen flämische Wandteppiche. Darüber hinaus wurden
die Tuchhallen sowie viele Patrizierhäuser umgebaut.
Zur
Zeit der Herrschaft des Königs Sigismund III. Vasa wurde in
Krakau die barocke Kultur verbreitet. Zu dieser Zeit baute man in
Krakau die ersten barocken Kirchen - der Heiligen Peter und Paul (doch
das schönste Beispiel des Barocks ist in Krakau die Universitätskirche
St. Anna (Ende des 17. Jh. gebaut). Im Jahre 1607 verlegte König Sigismund
Vasa III. den Königssitz nach Warschau, aber Krakau blieb auch weiterhin
Ort der Krönungen und Begräbnisse der Könige, und es behielt seinen
Titel einer königlichen Hauptstadt. Mitte des 17. Jh. wurde Krakau
von schwedischen Heeren verwüstet, die am Beginn des 18. Jh. Gleiches
wiederholten. 1734 fand auf dem Wawel die letzte Krönung statt - die
des Königs August II. von Sachsen.
Nach
der ersten Teilung Polen wurde Krakau zur Grenzstadt, die Österreicher
erklärten damals die Siedlung Podgorze, die auf der anderen Seite
der Weichsel lag, zu einer gesonderten Stadt. Nach der 2. Teilung
im Jahre 1794 begann nach dem Schwur, den Tadeusz Kosciuszko
auf dem Krakauer Mark ablegte, der Volksaufstand. Nach seinem Niedergang
und der dritten Teilung Polens fiel die Stadt an die Österreicher,
die auf dem Wawel zahlreiche Verheerungen anrichteten und die Gebäude
den Bedürfnissen des Heeres anpaßten.
Im Jahre 1809 wurde Krakau dem Großfürstentum Warschau angeschlossen.
Nach Napoleons Niederlage kam die zweijährige Okkupation der Stadt
durch russische Armeen, wonach, auf Kraft des Wiener Vertrags von
1815, Krakau zur Freistadt erklärt wurde. Und damals wurden auch die
sterblichen Überreste der Volkshelden Tadeusz Kosciuszko und des Fürsten
Jozef Poniatowski hierher gebracht. Auf der Anhöhe der hl. Bronislawa
wurde in den Jahren 1820-1823 ein Hügel zur Ehre des Leiters des Volksaufstandes
errichtet. In dieser Zeit, anstelle der abgerissenen Stadtmauern,
legte man die Planten an. Nach dem Niedergang der Autonomie von Krakau,
1846, richteten die Österreicher erneut auf dem Wawel Kasernen ein
und umgaben die Wawel-Anhöhe mit Befestigungsanlagen, und sie bauten
auch an der Stadtperipherie zahlreiche Verteidigungsanlagen.
Im
Jahre 1918, nach sehr langer Unterdrückung, erlangte Krakau die Unabhängigkeit.
Die Jahre des 2. Weltkrieges sind gezeichnet von der Vernichtung der
Juden aus Kazimierz, auf dem Wawel herrschte Generalgouverneur Hans
Frank. Am 18.1.1945 wurde Krakau befreit. Die Nachkriegszeit brachte
einen intensiven Ausbau der Stadt und die Entwicklung der Industrie,
u.a. der Schwerindustrie. Die dadurch entstandene Degradierung der
natürlichen Umwelt, die sich sowohl auf die Einwohner als auch auf
die Bauten von Krakau auswirkt, ist heute eines der ernstesten Probleme
der Stadt. |
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